Kurze Antwort
In Arztpraxen eignen sich KI-Tools aktuell vor allem für Verwaltungsaufgaben, Textentwürfe und interne IT-Automatisierung — nicht für die direkte Verarbeitung von Patientendaten ohne zusätzliche Prüfung. Microsoft 365 Copilot passt gut in Praxen, die bereits mit Outlook und Teams arbeiten, und ChatGPT Plus hilft bei allgemeinen Textaufgaben ohne Personenbezug. Für den Sonderfall größerer Einrichtungen mit eigener IT-Betreuung kommt zusätzlich GitHub Copilot infrage. Gesundheitsdaten gehören zu den besonderen Kategorien personenbezogener Daten nach Art. 9 DSGVO; für Ärztinnen und Ärzte kommt zusätzlich die berufliche Schweigepflicht nach §203 StGB hinzu, deren Anforderungen bei der Weitergabe an externe Dienstleister gesondert geprüft werden müssen — hier reicht ein einfacher Cloud-Einsatz in der Regel nicht aus.
Wichtig: Ein hoher DSGVO-Score bedeutet nicht automatisch einen aufsichtsbehördlich vertretbaren Einsatz im Einzelfall. Entscheidend sind auch die konkrete Nutzung, ein AVV und interne Datenschutzprozesse.
Die folgenden DSGVO-Scores sind Risikoeinschätzungen, keine rechtlichen Bewertungen.
Praxisregel: KI in der Arztpraxis
✅ Terminerinnerungen, interne Checklisten und allgemeine Praxisinformationen ohne Patientenbezug formulieren ✅ Fortbildungsrecherche und Literaturzusammenfassungen ohne Fallbezug nutzen ✅ Interne IT-Automatisierung (z. B. Praxis-Skripte) mit GitHub Copilot entwickeln ⚠️ Diktate, Anamnesen oder Befunde mit Patientenbezug nur nach AVV-Prüfung und §203-Abgleich verarbeiten ⚠️ Kostenlose und Einzelnutzer-Chatbot-Tarife ohne AVV (z. B. ChatGPT Free und Plus) nie für personenbezogene Daten von Patient:innen nutzen
Zeitersparnis durch KI in der Praxisorganisation
| Aufgabe | Manuell | Mit KI | Einsparung |
|---|---|---|---|
| Terminbestätigungen formulieren | 15 Min/Tag | 4 Min/Tag | ca. 11 Min |
| Interne Praxis-Rundmails | 20 Min | 6 Min | ca. 14 Min |
| Kurzzusammenfassung von Fachartikeln | 30 Min | 10 Min | ca. 20 Min |
Erfahrungswerte — individuelle Zeiten variieren.
Hinweis: Ollama wird im Abschnitt „Lokale KI statt Cloud-KI” als Alternative für lokal betriebene Sprachmodelle erwähnt, ist aber ein reines Self-Hosting-Werkzeug ohne eigenen DSGVO-Score und taucht deshalb nicht in der folgenden Vergleichstabelle auf.
Relevante KI-Tools für Arztpraxen im Überblick
| Tool | Einsatzbereich | DSGVO-Score | Preis | Am besten für |
|---|---|---|---|---|
| Microsoft 365 Copilot | Bürokommunikation, Dokumentenentwürfe | 8.0/10 | ab 18 €/Monat | Praxen im Microsoft-365-Ökosystem |
| ChatGPT Plus | Textentwürfe, Recherche, Fortbildung | 5.0/10 | Preis beim Anbieter prüfen (kostenloser Plan vorhanden) | Einzelpraxen für unkritische Alltagstexte |
| GitHub Copilot (Sonderfall) | Interne IT-/Workflow-Automatisierung | 7.5/10 | Preis beim Anbieter prüfen | Nur MVZ/Praxen mit eigener IT-Betreuung |
Warum diese Tools?
Wer als Praxismanagerin jeden Tag Terminbestätigungen und interne Rundmails von Hand formuliert, kennt den Zeitdruck zwischen zwei Sprechstunden. Microsoft 365 Copilot setzt genau hier an: Es ist direkt in Outlook, Word und Teams integriert und entwirft Textbausteine, ohne dass die Praxis ein zusätzliches System einführen muss. Bei der Datenresidenz lohnt sich ein genauer Blick, denn Microsofts eigene Ankündigungen zum sogenannten Flex Routing (Weiterleitung von Copilot-Anfragen an Rechenzentren in den USA, Kanada oder Australien bei hoher Systemauslastung, seit April 2026) sind widersprüchlich: Ein Teil der Ankündigungen im Microsoft-Message-Center nennt Flex Routing für EU-Tenants standardmäßig aktiviert, ein anderer Teil standardmäßig deaktiviert. Praxen sollten die tatsächliche Einstellung deshalb aktiv im Microsoft-365-Admin-Center unter Copilot-Einstellungen prüfen, statt sich auf eine der beiden Angaben zu verlassen. Zusätzlich verarbeitet Microsoft 365 Copilot seit einem Update im April 2026 einen Teil der Anfragen mit Modellen von Anthropic, die laut Microsofts eigener Dokumentation ausdrücklich von der EU-Datengrenze ausgenommen sind — für Copilot in Word, Excel und PowerPoint ist diese Anthropic-Nutzung seit dem 4. Mai 2026 in der EU und im UK sogar standardmäßig aktiv und muss bei Bedarf im Admin-Center deaktiviert werden.
Ärztinnen und Ärzte, die sich schnell in ein neues Fachthema einlesen oder einen internen Praxis-Flyer entwerfen wollen, greifen häufig zu ChatGPT Plus. Wichtig für die Praxis: ChatGPT Plus bietet laut OpenAI keinen AVV — ein Auftragsverarbeitungsvertrag ist nur bei ChatGPT Business, ChatGPT Team, ChatGPT Enterprise oder über die API verfügbar (Stand: 2026-08). Der Plus-Tarif eignet sich damit nicht für echte Geschäftsdaten von Patient:innen und bleibt auf unkritische, fallferne Textentwürfe wie Fortbildungsrecherche oder allgemeine Praxisinformationen beschränkt.
Sonderfall größere Einrichtungen mit eigener IT: MVZ betreiben oft eigene kleine IT-Teams, die Praxisabläufe mit Skripten automatisieren — etwa für Datenexporte zwischen Kassensystem und Abrechnungssoftware. GitHub Copilot unterstützt genau diese Entwickler:innen beim Schreiben und Debuggen von Code, ganz ohne dass dabei Patientendaten ins Modell gelangen müssen. Für die typische Einzelpraxis ohne eigene IT-Abteilung ist das dagegen selten relevant. Die konkreten Tarifpreise variieren und sollten direkt beim Anbieter geprüft werden, bevor eine größere Lizenzmenge eingekauft wird.
Was andere Tools problematisch macht
Viele generisch beworbene „Praxis-KI”-Tools kommunizieren nicht klar, ob eingegebene Texte zum KI-Training weiterer Modelle verwendet werden oder ob es eine Opt-out-Möglichkeit gibt. Für eine Arztpraxis ist das ein echtes Problem, weil damit unklar bleibt, was mit sensiblen Formulierungen langfristig passiert. Konkret zeigt sich das Muster schon bei den hier verglichenen Tools: Consumer-Tarife wie ChatGPT Plus bieten keinen AVV, während nur Geschäftstarife — ChatGPT Business, ChatGPT Team, ChatGPT Enterprise, die OpenAI-API sowie die Business-Pläne von Microsoft und GitHub — vertragliche AVV-Optionen vorsehen. Nach unserer Recherche (Stand: 2026-08) dokumentieren gerade kleinere, branchenspezifisch beworbene Anbieter außerhalb dieser bekannten Business-Ökosysteme öffentlich häufig nicht, wo ihre Server stehen oder ob Daten außerhalb der EU verarbeitet werden — hier lohnt vor dem Einsatz immer ein Blick in die Datenschutzerklärung oder eine direkte Nachfrage beim Anbieter.
US-Anbieter wie Microsoft, GitHub (als Microsoft-Tochter) und OpenAI sind US-Unternehmen und nehmen nach eigenen Angaben am EU-US Data Privacy Framework teil. Die Cloud-Act-Anwendbarkeit durch die US-Unternehmensstruktur bleibt dadurch nicht vollständig ausgeschlossen. Für reine Verwaltungstexte ohne Personenbezug ist das in der Praxis meist unkritisch, für Patientendaten braucht es zusätzlich eine Einzelfallprüfung durch die Praxis selbst oder eine datenschutzrechtlich versierte Beratung.
Darf ich KI-Tools als Arzt oder Ärztin nutzen?
Ärztinnen und Ärzte sind nach §203 StGB Berufsgeheimnisträger — die Schweigepflicht gilt unabhängig von der DSGVO und zusätzlich zu ihr. Gesundheitsdaten sind zudem personenbezogene Daten einer besonderen Kategorie nach Art. 9 DSGVO, deren Verarbeitung grundsätzlich untersagt ist, sofern keine der dort genannten Ausnahmen greift, etwa eine ausdrückliche Einwilligung oder ein Zweck der Gesundheitsvorsorge. Wenn ein externer Dienstleister Patientendaten im Auftrag verarbeitet, ist regelmäßig ein AVV nach Art. 28 DSGVO zu prüfen. Zusätzlich muss die Praxis klären, ob und unter welchen Voraussetzungen die Weitergabe mit der beruflichen Schweigepflicht nach §203 StGB vereinbar ist — je nach konkreter Verarbeitung können weitere Anforderungen zu prüfen sein. Sofern kein Personenbezug vorliegt, etwa bei einer generischen Textvorlage ohne Fallbezug, fällt dieser Arbeitsschritt in der Regel nicht in den Anwendungsbereich der DSGVO.
Kurz gesagt: Wenn du Patientendaten verarbeitest, solltest du prüfen: (1) einen AVV mit dem Anbieter, (2) ob §203 StGB zusätzliche Schritte verlangt, (3) wo möglich eine Anonymisierung der Eingaben, und (4) eine Dokumentation deiner Entscheidung für den Ernstfall. Diese vier Punkte sind eine Prüf-Checkliste, keine Garantie für einen zulässigen Einsatz — die abschließende Einordnung bleibt eine Einzelfallprüfung.
Schnell-Vergleich:
- Terminbestätigung formulieren → Microsoft 365 Copilot → kein Personenbezug nötig
- Praxis-internes Skript bauen (Sonderfall MVZ/eigene IT) → GitHub Copilot → kein Patientendatenbezug
- Fachartikel zusammenfassen → ChatGPT Plus → ohne Fallbezug nutzen
Gibt es eine Praxisverwaltungssystem-KI?
Viele etablierte Praxisverwaltungssysteme (PVS) bauen zunehmend KI-gestützte Funktionen wie Diktaterkennung oder Abrechnungsvorschläge in ihre Systeme ein. Der Funktionsumfang unterscheidet sich stark je nach Hersteller und ist nicht einheitlich öffentlich dokumentiert (Stand: 2026-08) — frag direkt beim eigenen PVS-Anbieter nach, welche KI-Funktionen bereits integriert sind und wie sie datenschutzrechtlich eingeordnet werden. Für viele Praxen ist das der naheliegendere erste Schritt, bevor ein zusätzliches, separates KI-Tool eingeführt wird. Ergänzend eignen sich allgemeine Tools wie Microsoft 365 Copilot für Kommunikation außerhalb des PVS, etwa Elternbriefe oder interne Abstimmungen, während GitHub Copilot bei individuellen Automatisierungen zwischen PVS und anderen Systemen unterstützen kann, sofern dabei keine Patientendaten ins Modell gelangen. Diese drei Ebenen — native PVS-Funktion, praxisferne Bürokommunikation, individuelle IT-Automatisierung — ergänzen sich, ersetzen sich aber nicht gegenseitig.
Lokale KI statt Cloud-KI
Wer Diktate oder Anamnesen KI-gestützt verarbeiten will, ohne Patientendaten an einen Cloud-Anbieter zu übertragen, kann lokal betriebene Sprachmodelle einsetzen — etwa über Ollama oder eine andere Selbst-Hosting-Lösung mit einem offen verfügbaren Modell. Der Vorteil: Bei einem vollständig lokal betriebenen Setup müssen die eingegebenen Daten nicht an einen externen Cloud-Anbieter übertragen werden, was die §203- und Art.-9-Prüfung deutlich vereinfacht. Der Nachteil: Der technische Aufwand für Einrichtung und Wartung ist spürbar höher, es braucht passende Hardware, und im Fehlerfall gibt es meist keinen Hersteller-Support wie bei einem SaaS-Tool. Für kleine Einzelpraxen ohne eigene IT ist das oft kein praktikabler Weg — für MVZ mit vorhandenen IT-Ressourcen kann sich der Aufwand dagegen lohnen.
Kann ChatGPT Patientendaten verarbeiten?
ChatGPT Plus bietet laut OpenAI keinen AVV — ein Auftragsverarbeitungsvertrag ist nur bei ChatGPT Business, ChatGPT Team, ChatGPT Enterprise oder über die API verfügbar. Ohne AVV und ohne zusätzliche Prüfung nach §203 StGB sollten im Plus-Tarif keine identifizierenden Patientendaten eingegeben werden. Für anonymisierte Fallbeschreibungen zu Fortbildungszwecken ohne Personenbezug ist das Risiko deutlich geringer, muss aber trotzdem individuell geprüft werden.
Welche KI eignet sich für die Praxisorganisation?
Für reine Organisationsaufgaben wie Terminplanung, interne Kommunikation und Textentwürfe eignet sich am ehesten Microsoft 365 Copilot, weil es direkt in bereits genutzte Office-Programme integriert ist und keinen separaten Workflow-Bruch erzeugt.
Methodik
Die genannten DSGVO-Scores basieren auf unserer Methodik — Details dazu findest du unter /methodik. Sie sind Risikoeinschätzungen auf Basis öffentlich zugänglicher Datenschutzerklärungen, AVV-Angaben und Serverstandort-Informationen, keine rechtliche Einzelfallprüfung.
Fazit & Empfehlung
Für den Praxisalltag lohnt sich der KI-Einsatz vor allem dort, wo kein direkter Patientenbezug besteht: Terminorganisation, interne Kommunikation, IT-Automatisierung und Fortbildung. Sobald Gesundheitsdaten einzelner Patient:innen im Spiel sind, braucht es zusätzlich einen AVV — bei ChatGPT konkret nur über Business, Team, Enterprise oder die API, nicht über den Plus-Tarif —, eine §203-Prüfung und im Zweifel eine lokale statt einer Cloud-Lösung.
Du willst nicht jeden Vertrag selbst prüfen? Unsere Tooltests zeigen pro KI-Tool: AVV, DPA, KI-Training, Cloud-Act-Risiko, DSGVO-Score.
Häufige Fragen
Darf ich als Arzt ChatGPT für Patientendaten nutzen?
ChatGPT Plus bietet keinen AVV — nur ChatGPT Business, ChatGPT Team, ChatGPT Enterprise oder die API stellen einen bereit (Stand: 2026-08). Ohne AVV und ohne zusätzliche Prüfung nach §203 StGB solltest du keine identifizierenden Patientendaten eingeben; für anonymisierte, allgemeine Texte ohne Fallbezug ist das Risiko geringer, muss aber individuell geprüft werden.
Welches KI-Tool eignet sich für die Terminorganisation in der Praxis?
Microsoft 365 Copilot eignet sich für Praxen, die bereits mit Outlook und Teams arbeiten, da es sich direkt in die bestehende Bürokommunikation integriert.
Reicht ein AVV, um KI-Tools in der Arztpraxis DSGVO-konform einzusetzen?
Nicht automatisch. Ein AVV regelt die Auftragsverarbeitung, ersetzt aber nicht die gesonderte Prüfung, ob die Weitergabe von Patientendaten mit §203 StGB vereinbar ist. Je nach konkreter Verarbeitung können weitere Schritte wie Anonymisierung nötig sein.
Hat ChatGPT Plus einen Auftragsverarbeitungsvertrag?
Nein. Nach unserer Recherche (Stand: 2026-08) ist ein AVV nur für ChatGPT Business, ChatGPT Team, ChatGPT Enterprise oder über die API verfügbar, nicht für den Plus-Tarif.
Ist Microsoft 365 Copilot Flex Routing ein Datenschutzrisiko?
Flex Routing kann Copilot-Anfragen bei hoher Auslastung an Rechenzentren in den USA, Kanada oder Australien weiterleiten. Microsofts eigene Ankündigungen im Message Center sind widersprüchlich, ob der Modus für europäische Tenants standardmäßig aktiviert oder deaktiviert ist — die aktuelle Einstellung sollte deshalb aktiv im Admin-Center geprüft werden, statt sich auf eine der beiden Angaben zu verlassen.