Kurze Antwort
Steuerberater können KI-Tools für Recherche, Textentwürfe und teilweise auch für die Analyse von Mandantendaten einsetzen – vorausgesetzt, Tarif und Vertragsgrundlage passen zum jeweiligen Anwendungsfall. Ein kostenloser Chatbot-Zugang ohne AVV ist für Mandantendaten grundsätzlich ungeeignet, während spezialisierte Plattformen mit §203-Tarif dafür konzipiert sind. Die folgenden DSGVO-Scores sind Risikoeinschätzungen, keine rechtlichen Bewertungen.
Wichtig: Ein hoher DSGVO-Score bedeutet nicht automatisch einen aufsichtsbehördlich vertretbaren Einsatz im Einzelfall. Entscheidend sind auch die konkrete Nutzung, ein AVV und interne Datenschutzprozesse. Dieser Beitrag ist keine Rechtsberatung und ersetzt keine anwaltliche oder steuerrechtliche Prüfung im Einzelfall (Stand: 2026-07).
Praxisregel: Mandantendaten mit Personenbezug nur in einem Tarif mit AVV und gesonderter §203-StGB-Vereinbarung verarbeiten. ✅ Erlaubt: anonymisierte Textentwürfe, allgemeine Fachrecherche, interne Prozessautomatisierung ohne Mandantenbezug. ⚠️ AVV- und §203-Prüfung nötig: Analyse von Steuerunterlagen, Kommunikation mit Mandanten-Klarnamen, Upload von Belegen oder Verträgen. Niemals im kostenlosen Standard-Tarif eines allgemeinen KI-Tools verarbeiten.
Zeitersparnis in der Praxis (Erfahrungswerte — individuelle Zeiten variieren):
| Aufgabe | Manuell | Mit KI | Einsparung |
|---|---|---|---|
| E-Mail-Entwurf an Mandant | 15 Min | 4 Min | ca. 11 Min |
| Erst-Zusammenfassung eines Belegkonvoluts | 40 Min | 15 Min | ca. 25 Min |
| Recherche zu einer Fachfrage | 30 Min | 10 Min | ca. 20 Min |
Relevante KI-Tools für Steuerberater im Überblick
Hinweis: Logicc ist noch nicht vollständig in unserer Datenbank geprüft.
| Tool | Kategorie | DSGVO-Einschätzung | Preis | Zielgruppe |
|---|---|---|---|---|
| Logicc | Multi-LLM-Plattform mit §203-Tarif | muss individuell geprüft werden | 29,90–89,90 €/Nutzer/Monat (exkl. MwSt.), Enterprise auf Anfrage | Kanzleien mit Mandantendaten und §203-Bedarf |
| ChatGPT Plus | Allgemeines Chat-Tool | 5,2/10 | kostenloser Plan vorhanden, Bezahltarif beim Anbieter prüfen | Einzelanwender ohne Mandantenbezug |
| mistral ai | Allgemeines Chat-Tool, EU-Anbieter | 7,0/10 | kostenloser Plan vorhanden, Bezahltarif beim Anbieter prüfen | Kanzleien mit EU-Präferenz, geringer Personenbezug |
| DeepL Pro | Übersetzung | 7,0/10 | kostenloser Plan vorhanden, Bezahltarif beim Anbieter prüfen | Übersetzung fremdsprachiger Mandantenunterlagen |
| Microsoft 365 Copilot | Büro-KI (Word/Outlook/Excel) | 8,0/10 | ab 18 €/Monat | Kanzleien mit bestehender Microsoft-365-Umgebung |
Warum diese Tools?
Wer als Steuerberater Mandanten mit internationalen Beteiligungen betreut, kennt das Problem: Ein Multi-LLM-Zugang wäre praktisch, aber jedes einzelne Modell hat eigene Datenschutzbedingungen. Genau hier setzt Logicc an – laut eigener Preisseite (Stand: 2026-07) bündelt die Hamburger Plattform Modelle von OpenAI, Mistral, Meta, Anthropic, Amazon und Google in einer Oberfläche, ab 29,90 €/Nutzer/Monat im Business-Tarif. Für Kanzleien mit Mandantenbezug sind erst die Tarife Secure+ (49,90 €) und Max (89,90 €) relevant, da nur diese laut Preisseite eine §203-StGB-Verschwiegenheitsvereinbarung enthalten. Nach eigenen Angaben nutzen mehr als 1.800 Unternehmen die Plattform, unter anderem wegen der Smart-Select-Funktion, die automatisch das passende Modell auswählt, sowie einer Bibliothek mit über 90 vorgebauten Assistenten für wiederkehrende Aufgaben. Wer unsicher ist, ob sich der Wechsel lohnt, kann den 7-tägigen Testzeitraum ohne Kreditkarte nutzen, um Assistenten und Modellauswahl im Kanzleialltag auszuprobieren.
Wer stattdessen nur allgemeine Recherche oder Textentwürfe ohne Mandantenbezug erstellt, kommt oft mit einem einzelnen Tool aus. ChatGPT Plus ist dafür verbreitet, erreicht in unserer Methodik aber nur einen DSGVO-Score von 5,2/10 – die Nutzung mit Personenbezug muss individuell geprüft werden. Der kostenlose Zugang eignet sich für einfache, anonymisierte Textentwürfe; für regelmäßige Fachrecherche mit höheren Nutzungslimits ist der kostenpflichtige Tarif sinnvoller, dessen genauer Preis beim Anbieter zu prüfen ist. mistral ai schneidet mit 7,0/10 besser ab und wird von einem EU-Anbieter betrieben; auch hier gilt: der konkrete Tarif und ein AVV entscheiden über den zulässigen Einsatz, der kostenlose Plan reicht meist nur für gelegentliche Anfragen. Wer viel mit fremdsprachigen Unterlagen arbeitet, kennt zudem die zähe Handarbeit bei Übersetzungen – DeepL Pro (Score 7,0/10) übernimmt das für Dokumente und lohnt sich als Bezahltarif vor allem bei größeren Textmengen, ersetzt aber keine inhaltliche Steuerberatung. Wer als Kanzlei bereits vollständig in Microsoft 365 arbeitet, findet mit Microsoft 365 Copilot (DSGVO-Score 8,0/10, ab 18 €/Monat) eine Option, die direkt in Outlook, Word und Excel integriert ist. Für die Analyse von Mandantendaten braucht es aber auch hier zusätzlich einen Tarif mit AVV und eine gesonderte Prüfung, ob eine §203-Vereinbarung angeboten wird.
Was andere Tools problematisch macht
Bei kostenlosen oder Consumer-Tarifen fehlt regelmäßig ein AVV sowie eine Zusicherung gegen KI-Training mit Mandantendaten. Nach unserer Recherche (Stand: 2026-07) haben viele allgemeine Chat-Tools in ihrem kostenlosen Tarif keine dokumentierte Zero-Data-Retention-Option – Eingaben können dort zu Trainingszwecken verwendet werden, sofern nicht aktiv deaktiviert. Für Berufsgeheimnisträger ist das ohne zusätzliche vertragliche Absicherung nicht praktikabel. Am Markt gibt es neben Logicc weitere spezialisierte Multi-LLM-Plattformen mit Fokus auf Berufsgeheimnisträger im DACH-Raum; diese haben wir noch nicht im Detail geprüft, daher lässt sich an dieser Stelle keine vergleichende Bewertung abgeben – bei Interesse lohnt sich eine eigene Prüfung von AVV, §203-Vereinbarung und Serverstandort nach denselben Kriterien wie bei Logicc.
Darf ich Logicc als Steuerberater nutzen?
Laut Datenschutzerklärung von Logicc (Stand: 2026-07) läuft die Modellnutzung über Microsoft Azure mit Datenspeicherung in Frankfurt, Amazon Bedrock und Google Cloud jeweils mit EU-Verarbeitung, sowie direkt über OpenAI und Mistral mit aktivierter Zero Data Retention – die Anbieter sichern zu, Prompts nicht für Training zu nutzen. Damit ist die Datenverarbeitung deutlich transparenter dokumentiert als bei vielen Wettbewerbern. Da Microsoft, Amazon, Google und OpenAI US-Konzernmütter haben, bleibt die Cloud-Act-Anwendbarkeit über die Konzernstruktur trotz EU-Verarbeitung nicht vollständig ausgeschlossen – ein Restrisiko, das keine Vertragsklausel vollständig beseitigt.
Für die Nutzung mit Mandantendaten braucht es zusätzlich zum AVV die im Secure+- und Max-Tarif enthaltene §203-StGB-Vereinbarung sowie eine eigene Prüfung des Drittlandtransfers, auch wenn die Verarbeitung laut Anbieterangaben in der EU stattfindet. Ob KI-Training mit euren Daten ausgeschlossen ist, sollte vor Vertragsschluss zusätzlich schriftlich bestätigt werden.
Kurz gesagt: Wenn Mandantendaten mit Personenbezug verarbeitet werden, brauchst du fast immer einen Tarif mit §203-Vereinbarung, einen AVV, eine Bestätigung zu Zero Data Retention und keinem KI-Training, sowie eine kurze interne Notiz zum Cloud-Act-Restrisiko der eingesetzten Cloud-Anbieter.
Schnell-Vergleich: Mandanten-E-Mail mit Klarnamen bearbeiten → Logicc Secure+ oder Max (§203-Vereinbarung enthalten). Anonymisierte Fachrecherche ohne Mandantenbezug → ChatGPT Plus oder mistral ai als einfachere Option. Fremdsprachiges Mandantendokument übersetzen → DeepL Pro als spezialisiertes Werkzeug.
Gibt es eine DATEV-KI?
Für Kanzleien, die stark in den DATEV-Kosmos eingebunden sind, stellt sich die Frage meist in drei Stufen. Erstens native KI-Funktionen innerhalb der DATEV-Programme selbst, etwa bei Belegerkennung oder Kontierungsvorschlägen – hier lohnt ein Blick in die jeweils aktuelle Produktdokumentation, da sich der Funktionsumfang laufend erweitert und ältere Beschreibungen schnell veralten. Zweitens KI-Tools für Kommunikation und Recherche ohne direkten Datenbezug zur DATEV-Datenbank, etwa Mandanten-E-Mails oder allgemeine Fachfragen – dafür eignen sich Logicc oder ChatGPT Plus, ohne dass eine Anbindung an DATEV-Systeme nötig ist. Drittens Workflow-Automatisierung als Ergänzung, etwa wenn wiederkehrende Aufgaben zwischen DATEV-Auswertungen und Mandantenkommunikation automatisiert werden sollen – das erfordert in der Regel eine zusätzliche Integrationsschicht, die separat auf Datenschutz und Schnittstellensicherheit geprüft werden sollte, bevor sie produktiv eingesetzt wird.
Lokale KI statt Cloud-KI
Wer auf Nummer sicher gehen will, kann Modelle komplett ohne Cloud-Anbindung betreiben. Ollama erlaubt es, offene Modelle lokal auf eigener Hardware laufen zu lassen, teils kombiniert mit n8n als Automatisierungsschicht für einfache, wiederkehrende Abläufe. Auch ein Self-Deployment offener Mistral-Modelle ist möglich. Der Vorteil: Mandantendaten verlassen die eigene Infrastruktur nie, damit entsteht auch kein Drittlandtransfer. Diesem Vorteil stehen reale Einschränkungen gegenüber: Es braucht ausreichend leistungsfähige Hardware, eigenes technisches Know-how für Betrieb und Absicherung, und es gibt keinen Herstellersupport, auf den man sich im Zweifel verlassen kann. Für die meisten kleinen Kanzleien ohne eigene IT-Abteilung ist das deshalb eher eine Ergänzung für einzelne, besonders sensible Fälle als ein vollständiger Ersatz für eine Cloud-Plattform, bei der weiterhin ein AVV geprüft werden sollte.
Welche KI eignet sich für Kanzleien mit internationalen Mandanten?
Für internationale Mandate ist meist eine Kombination sinnvoll: Logicc oder ein vergleichbarer Multi-LLM-Zugang für Recherche und Textentwürfe, ergänzt um DeepL Pro für die Übersetzung fremdsprachiger Originaldokumente. So bleibt die inhaltliche Bearbeitung im geprüften Tarif, während die Übersetzung als separater, klar abgegrenzter Arbeitsschritt erfolgt.
Kann ChatGPT als Steuerberater genutzt werden?
Für anonymisierte Recherche oder allgemeine Textentwürfe ja, für Mandantendaten mit Personenbezug nur mit einem Tarif, der einen AVV und eine dokumentierte Zero-Data-Retention-Option enthält – das ist beim kostenlosen Zugang nach unserer Recherche (Stand: 2026-07) nicht der Fall.
Methodik
Unsere DSGVO-Scores und Tool-Angaben basieren auf der in unserer Methodik beschriebenen Prüfung von Datenschutzerklärungen, AVV-Verfügbarkeit und öffentlich dokumentierten Herstellerangaben. Sie sind Risikoeinschätzungen, keine rechtsverbindliche Bewertung eures Einzelfalls.
Fazit & Empfehlung
Kanzleien, die überwiegend mit Mandantendaten arbeiten, sollten zuerst §203-Vereinbarung und AVV klären, bevor sie sich für ein Tool entscheiden – der Funktionsumfang ist meist zweitrangig gegenüber der vertraglichen Grundlage. Für Kanzleien mit echtem Mandantenbezug ist ein Tarif mit §203-Vereinbarung und AVV, etwa Secure+ oder Max bei Logicc, der sinnvollere Ausgangspunkt als ein allgemeiner Chat-Zugang. Für reine Recherche oder anonymisierte Aufgaben reichen oft einfachere Tools. Du willst nicht jeden Vertrag selbst prüfen? Unsere Tooltests zeigen pro KI-Tool: AVV, DPA, KI-Training, Cloud-Act-Risiko, DSGVO-Score.
Häufige Fragen
Darf ich ChatGPT für Mandantendaten nutzen?
Im kostenlosen Consumer-Zugang nach unserer Recherche (Stand: 2026-07) nicht ohne weiteres, da dort kein AVV und keine dokumentierte Zero-Data-Retention-Zusage vorliegt. Ein Einsatz mit Personenbezug muss individuell geprüft werden.
Was kostet Logicc für Steuerberater?
Laut eigener Preisseite (Stand: 2026-07) kostet der Business-Tarif 29,90 €, Secure+ 49,90 € und Max 89,90 € pro Nutzer und Monat (exkl. MwSt.); der Enterprise-Tarif ist individuell und auf Anfrage.
Reicht ein AVV allein für die Nutzung von Mandantendaten aus?
Nein, bei Berufsgeheimnisträgern kommt zusätzlich zum AVV regelmäßig eine gesonderte §203-StGB-Vereinbarung hinzu.
Verwendet Logicc Mandantendaten zum KI-Training?
Laut Datenschutzerklärung (Stand: 2026-07) ist für die eingebundenen Modelle Zero Data Retention aktiviert und ein Training mit Kundendaten ausgeschlossen; vor Vertragsschluss sollte das dennoch schriftlich bestätigt werden.
Gibt es eine eigene KI in DATEV?
DATEV integriert zunehmend KI-Funktionen direkt in seine Programme, etwa bei der Belegerkennung; der genaue Funktionsumfang sollte vor dem Einsatz in der aktuellen DATEV-Dokumentation geprüft werden, da er sich laufend erweitert.