Kurze Antwort
Vor jedem KI-Vertragsabschluss solltest du mindestens vier Dinge prüfen: den AVV nach Art. 28 DSGVO, den Serverstandort inklusive möglichem Drittlandtransfer, die Frage, ob deine Eingaben ins KI-Training einfließen, und die Sicherheitszertifizierungen des Anbieters (ISO 27001, SOC 2, BSI C5 oder das neue ISO/IEC 42001). Zusätzlich verlangt der EU AI Act seit August 2025 von Anbietern großer KI-Modelle zusätzliche Transparenzpflichten, etwa zu Trainingsdaten und Risikoklassifizierung, die du bei der Anbieterwahl mit abfragen solltest. Eine strukturierte Checkliste spart dabei nicht nur Zeit, sondern reduziert auch das Haftungsrisiko bei einer späteren Prüfung durch die Aufsichtsbehörde.
Die folgenden DSGVO-Scores sind Risikoeinschätzungen, keine rechtlichen Bewertungen. Scores Stand: 2026-09, Basis: öffentliche Datenschutzerklärungen und AVV-Dokumente der Anbieter, gültig zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels.
Wichtig: Ein hoher DSGVO-Score bedeutet nicht automatisch einen aufsichtsbehördlich vertretbaren Einsatz im Einzelfall. Entscheidend sind auch die konkrete Nutzung, ein AVV und interne Datenschutzprozesse.
Praxisregeln auf einen Blick
- ✅ Erlaubt: Anbieter-Recherche und Testphasen ohne Verarbeitung personenbezogener Daten
- ✅ Erlaubt: Nutzung von KI-Tools mit unterschriebenem AVV und dokumentierten TOMs für allgemeine Bürokommunikation
- ⚠️ AVV-Pflicht: Sobald personenbezogene Daten von Mandanten, Kunden oder Mitarbeitenden eingegeben werden
- ⚠️ Zusätzliche Prüfung nötig: Bei Anbietern außerhalb der EU ohne dokumentierte SCCs oder DPF-Teilnahme
- ⚠️ Erhöhter Prüfaufwand: Bei Berufsgeheimnisträgern (§ 203 StGB), etwa Steuerberatern oder Anwälten
Relevante KI-Anbieter im Überblick
Hinweis: Die folgenden Werte stammen aus unserer eigenen Tool-Datenbank und dienen als Beispiel für unterschiedliche Risikoprofile bei der Anbieterwahl — nicht als abschließende Bewertung für deinen konkreten Anwendungsfall.
| Anbieter | DSGVO-Score | Einsatzbereich | Preis |
|---|---|---|---|
| Microsoft 365 Copilot | 8,0/10 | Büroanwendungen, Teams-Integration | ab 18 USD/Monat (Einführungspreis, weitere Tarife beim Anbieter prüfen) |
| Neuroflash | 7,5/10 | Content- und Textgenerierung, DACH-Anbieter | kostenloser Plan, Bezahlpreise beim Anbieter prüfen |
| GitHub Copilot | 7,5/10 | Softwareentwicklung, Code-Vervollständigung | Preis beim Anbieter prüfen |
| Mistral AI | 7,0/10 | Allgemeine KI-Assistenz, EU-Anbieter | kostenloser Plan, Bezahlpreise beim Anbieter prüfen |
| Gemini | 6,5/10 | Allgemeine KI-Assistenz, Google-Ökosystem | kostenloser Plan, Bezahlpreise beim Anbieter prüfen |
| Claude (Anthropic) | 6,0/10 | Textarbeit, Analyse, Programmierung | kostenloser Plan, Bezahlpreise beim Anbieter prüfen |
| ChatGPT Plus | 5,0/10 | Allgemeine KI-Assistenz | kostenloser Plan, Bezahlpreise beim Anbieter prüfen |
| DeepSeek | 1,5/10 | Allgemeine KI-Assistenz, China-Hosting | kostenloser Plan, Bezahlpreise beim Anbieter prüfen |
Warum diese Tools?
Wer regelmäßig Verträge mit KI-Anbietern prüfen muss, kennt das Problem: Jeder Anbieter formuliert Datenschutzangaben anders, und ohne Vergleichsbasis fällt eine fundierte Entscheidung schwer. Microsoft 365 Copilot punktet in unserer Methodik vor allem aufgrund von etablierten Enterprise-Verträgen, der EU Data Boundary (Commitment seit 2024) und dokumentierten TOMs, was die AVV-Prüfung in der Praxis beschleunigt. Preislich beginnt der Einstieg laut Anbieterangabe bei rund 18 US-Dollar/Nutzer/Monat als befristete Einführungsaktion (regulär 21 US-Dollar) — Preise vor Vertragsabschluss direkt beim Anbieter prüfen.
Bei Freelancern und kleinen Teams stellt sich oft die Frage nach einer DACH-nahen Alternative für Textarbeit. Genau hier setzt Neuroflash an — ein Anbieter mit Fokus auf den deutschsprachigen Markt, dessen Score in unserer Methodik auch auf der Nähe zum EU-Datenschutzrecht beruht.
Entwicklerteams, die Code-Vervollständigung nutzen wollen, stehen vor der Frage, ob Quellcode und interne Logik an Dritte übertragen werden. GitHub Copilot bewegt sich hier im mittleren bis oberen Score-Bereich unserer Methodik. Seit dem 24. April 2026 nutzt GitHub nach eigenen Angaben Interaktionsdaten aus den privaten Tarifen Free, Pro und Pro+ standardmäßig für das KI-Training; ein Opt-out in den Datenschutzeinstellungen ist möglich. Für Business und Enterprise gilt diese Standardänderung nach Anbieterangaben nicht — Preise und Trainingsnutzung deshalb vor Vertragsabschluss direkt beim Anbieter prüfen.
Für Unternehmen, die aus Prinzip einen europäischen Anbieter bevorzugen, bleibt Mistral AI ein häufig genannter Kandidat, unter anderem weil der Anbieter innerhalb der EU sitzt.
Nicht jeder Nutzer kann jedoch einfach zu einem anderen Anbieter wechseln, wenn bereits Prozesse auf Gemini oder Claude (Anthropic) aufgebaut sind. Beide liegen im mittleren Score-Bereich unserer Methodik: Ein AVV allein reicht nicht — die konkrete Konfiguration entscheidet über das tatsächliche Risiko. Bei Gemini nutzt Google nach eigenen Angaben seit dem 2. September 2025 standardmäßig eine Stichprobe hochgeladener Dateien und Eingaben für das KI-Training; eine Deaktivierung über die Einstellung „Keep Activity” ist möglich.
ChatGPT Plus wird in unserer Methodik niedriger bewertet, weil die private Plus-Version historisch weniger granulare Datenschutzeinstellungen bot als die Business-Tarife. Die Trainingsnutzung von Chatverläufen lässt sich in der Konto-Einstellung deaktivieren — anders als bei Gemini muss der Nutzer das aber selbst aktivieren, es ist nicht voreingestellt. In Business- und Enterprise-Tarifen ist sie dagegen bereits standardmäßig ausgeschaltet. Solche Einstellungen ändern sich — vor Vertragsabschluss aktuell prüfen statt auf einmal recherchierte Angaben zu vertrauen.
Was andere Tools problematisch macht
DeepSeek zeigt in unserer Methodik den mit Abstand niedrigsten Score. Ausschlaggebend ist unter anderem das Hosting außerhalb der EU, wodurch Fragen zum Drittlandtransfer und zur Absicherung über Standardvertragsklauseln besonders sorgfältig geklärt werden müssen. Nach unserer Recherche (Stand: 2026-09) liegt keine öffentlich zugängliche, vollständig dokumentierte Subunternehmer-Liste vor — relevant, weil Art. 28 DSGVO eine transparente Subunternehmer-Kette verlangt. Bei Anbietern ohne EU-Sitz kommt die Frage nach dem Cloud Act hinzu: Ein direkt in den USA sitzender Anbieter unterliegt ihm unmittelbar, eine EU-Tochter eines US-Konzerns nur über das Risiko der Konzernmutter.
Auch bei anderen Anbietern aus unserem Vergleich ist keine durchgängig vollständige Subunternehmer-Übersicht dokumentiert (Stand: 2026-09). Eine EU-US Data Privacy Framework-Teilnahme schafft zusätzliche Absicherung für den USA-Datentransfer, schließt eine Cloud-Act-Anwendbarkeit über die US-Unternehmensstruktur aber nicht vollständig aus.
Für wen ist die Sorgfaltsprüfung besonders wichtig?
Bei Steuerberatern, Anwälten und anderen Berufsgeheimnisträgern kommt zur DSGVO-Prüfung noch § 203 StGB hinzu: Ein AVV allein genügt regelmäßig nicht, wenn zusätzlich die strafrechtliche Verschwiegenheitspflicht erfüllt werden muss — hier kann eine zusätzliche vertragliche Vereinbarung mit dem Anbieter erforderlich sein. Agenturen, die im Auftrag von Kunden mit KI-Tools arbeiten, müssen zusätzlich klären, ob sie selbst als Auftragsverarbeiter gegenüber ihren eigenen Kunden auftreten und wie sich das mit dem AVV des KI-Anbieters verträgt. Für Freelancer ohne eigenen Datenschutzbeauftragten ist eine feste Checkliste oft der einzige praktikable Weg, um vor jedem neuen Tool-Einsatz eine Mindestprüfung sicherzustellen.
Der Kern der Unterscheidung: personenbezogene Daten ja oder nein. Eine Steuerberaterin mit Mandantendaten braucht zwingend einen AVV plus meist eine Verschwiegenheits-Vereinbarung nach § 203 StGB, da der AVV die strafrechtliche Komponente nicht abdeckt. Ein Freelancer ohne Kundendaten bewegt sich meist außerhalb des DSGVO-Anwendungsbereichs — sobald aber ein personenbezogener Kundenname oder eine E-Mail-Adresse in den Prompt einfließt, gilt die volle Prüfpflicht wie im ersten Beispiel.
Kurz gesagt: Wenn personenbezogene Daten von Mandanten, Kunden oder Mitarbeitenden eingegeben werden, brauchst du fast immer: einen unterschriebenen AVV, Klarheit über den Serverstandort, eine Prüfung der TOMs des Anbieters und — bei Nicht-EU-Anbietern — eine Absicherung über SCCs oder eine dokumentierte DPF-Teilnahme.
Lokale KI statt Cloud-KI
Für Berufsgeheimnisträger mit besonders hohem Schutzbedarf kann eine lokal betriebene KI-Lösung (z. B. Ollama oder ein selbst gehostetes Modell über n8n) die Sorgfaltsprüfung eines Cloud-Anbieters umgehen, weil keine Daten an Dritte übertragen werden. Das erfordert aber technischen Aufwand, eigene Hardware und meist den Verzicht auf Herstellersupport — eher eine mittelfristige Option bei sehr hohem Datenschutzbedarf als ein kurzfristiger Ersatz.
Was gehört zwingend in einen AVV mit einem KI-Anbieter?
Ein vollständiger AVV nach Art. 28 DSGVO muss unter anderem enthalten: Gegenstand und Dauer der Verarbeitung, Art der verarbeiteten Daten, eine aktuelle Subunternehmer-Liste mit Widerspruchsrecht, die vereinbarten TOMs, eine Meldefrist für Datenpannen von idealerweise unter 72 Stunden sowie klare Löschregeln nach Vertragsende. Fehlt einer dieser Punkte, entsteht ein erheblicher zusätzlicher Prüfaufwand, bevor der Vertrag unterschrieben werden sollte.
Wann brauche ich zusätzlich Standardvertragsklauseln?
Sobald ein Anbieter Daten außerhalb der EU verarbeitet und kein Angemessenheitsbeschluss vorliegt, sind zusätzlich zum AVV Standardvertragsklauseln oder eine dokumentierte Teilnahme am Data Privacy Framework erforderlich. Bei US-Anbietern kommt ergänzend die Frage nach dem Cloud Act hinzu, die durch SCCs allein nicht vollständig gelöst wird — hier hilft nur eine Kombination aus vertraglicher Absicherung und einer realistischen Risikoeinschätzung des konkreten Anwendungsfalls.
Methodik
Unsere DSGVO-Scores basieren auf einer strukturierten Methodik, die öffentlich zugängliche Datenschutzerklärungen, AVV-Dokumente und Preisseiten der Anbieter auswertet. Details dazu findest du auf unserer Methodik-Seite. Die Scores sind Risikoeinschätzungen und ersetzen keine rechtliche Einzelfallprüfung durch einen Datenschutzbeauftragten oder eine Kanzlei.
Fazit & Empfehlung
Eine strukturierte Sorgfaltsprüfung vor dem KI-Vertragsabschluss ist angesichts von DSGVO und EU AI Act heute Grundvoraussetzung für den professionellen KI-Einsatz. Die vier Kernfragen — AVV, Serverstandort, Trainingsnutzung und Zertifizierungen — lassen sich mit einer festen Checkliste deutlich schneller klären als durch Einzelfallrecherche. Jeder Score und jede Checkliste liefert dabei nur eine Ausgangsbasis, die individuell geprüft werden muss.
Du willst nicht jeden Vertrag selbst prüfen? Unsere Tooltests zeigen pro KI-Tool: AVV, DPA, KI-Training, Cloud-Act-Risiko, DSGVO-Score.
Häufige Fragen
Brauche ich für jeden KI-Anbieter einen eigenen AVV?
Sobald personenbezogene Daten verarbeitet werden, ist ein AVV nach Art. 28 DSGVO grundsätzlich erforderlich — unabhängig von der Größe des Anbieters oder des Vertrags.
Reicht ein AVV aus, wenn der Anbieter in den USA sitzt?
Nicht automatisch. Zusätzlich sind in der Regel Standardvertragsklauseln oder eine dokumentierte Teilnahme am Data Privacy Framework nötig, und die Cloud-Act-Frage sollte separat geprüft werden.
Wie erkenne ich, ob ein Anbieter meine Eingaben für das KI-Training nutzt?
Das steht meist in der Datenschutzerklärung oder den AGB im Abschnitt zur Datennutzung — bei Business- und Enterprise-Tarifen ist eine Deaktivierung häufiger bereits Standard als bei kostenlosen oder privaten Einstiegs-Tarifen.
Gilt für Steuerberater eine strengere Prüfpflicht als für andere Selbstständige?
Ja, zusätzlich zur DSGVO greift bei Berufsgeheimnisträgern § 203 StGB, wodurch neben dem AVV oft eine zusätzliche vertragliche Absicherung sinnvoll ist.
Was bedeutet ein niedriger DSGVO-Score konkret?
Ein niedriger Score weist auf erhöhten Prüfaufwand hin, etwa wegen Serverstandort oder unklarer Trainingsnutzung. Er ist eine Risikoeinschätzung, keine rechtliche Bewertung, und muss individuell geprüft werden.