Die CE-Kennzeichnung nach EU AI Act ist das sichtbare Zeichen dafür, dass ein Hochrisiko-KI-System ein Konformitätsbewertungsverfahren durchlaufen hat und die Anforderungen der Verordnung erfüllt. Für KMU ist sie relevant, wenn sie selbst ein solches System entwickeln oder vermarkten, aber auch als Anhaltspunkt beim Einkauf: Fehlt die Kennzeichnung bei einem eigentlich hochriskanten System, fehlt in der Regel auch der zugrunde liegende Nachweis.
Was bedeutet CE-Kennzeichnung?
Die CE-Kennzeichnung ist in Artikel 48 EU AI Act geregelt und schließt an ein erfolgreich durchlaufenes Konformitätsbewertungsverfahren an. Sie wird gut sichtbar, leserlich und dauerhaft am Hochrisiko-KI-System angebracht; ist das aufgrund der Art des Systems nicht möglich, erfolgt die Anbringung auf der Verpackung oder in der beigefügten Dokumentation. Bei digital bereitgestellten Systemen genügt eine digitale CE-Kennzeichnung, etwa über die Schnittstelle, von der aus auf das System zugegriffen wird, oder über einen maschinenlesbaren Code. War an der Konformitätsbewertung eine notifizierte Stelle beteiligt, wird deren Identifizierungsnummer der Kennzeichnung hinzugefügt. Für die allgemeine Gestaltung gelten dieselben Grundsätze wie bei anderen CE-gekennzeichneten Produkten in der EU.
Warum ist die CE-Kennzeichnung für mein Unternehmen wichtig?
Bringt euer Unternehmen ein Hochrisiko-KI-System als Anbieter in Verkehr, ist die CE-Kennzeichnung die abschließende, sichtbare Pflicht nach einem bestandenen Konformitätsbewertungsverfahren; ohne sie darf das System in der EU nicht auf den Markt gebracht oder in Betrieb genommen werden. Wer sie ohne durchlaufenes Verfahren anbringt oder ein System ohne die vorgeschriebene Kennzeichnung verkauft, riskiert Bußgelder und einen Rückruf vom Markt. Für Unternehmen, die KI-Systeme lediglich einkaufen und nutzen, ist die Kennzeichnung ein praktischer Prüfpunkt: Sie zeigt an, dass der Anbieter ein Bewertungsverfahren durchlaufen hat, ersetzt aber keine eigene Prüfung, ob das System zum konkreten Einsatzzweck passt und die Nutzungsbedingungen des Anbieters eingehalten werden.
CE-Kennzeichnung in der Praxis
Ein KMU entwickelt eine Software zur automatisierten Vorauswahl von Bewerbungen und stellt im Rahmen des Konformitätsbewertungsverfahrens fest, dass das System als Hochrisikobereich nach Anhang III einzustufen ist. Nach Abschluss des Verfahrens bringt das Unternehmen die CE-Kennzeichnung an der Benutzeroberfläche der Software an, gut sichtbar beim Erststart und in den Systeminformationen. Da für diesen Einsatzbereich keine notifizierte Stelle vorgeschrieben war, enthält die Kennzeichnung keine zusätzliche Identifizierungsnummer. Ein anderes Unternehmen, das dieselbe Software nur als fertiges Produkt eines externen Anbieters im eigenen Bewerbungsprozess einsetzt, prüft stattdessen, ob die Kennzeichnung beim eingekauften Produkt vorhanden ist, muss selbst aber keine eigene CE-Kennzeichnung anbringen.
Weiterführendes
Mehr zum vorgelagerten Verfahren findet ihr unter Konformitätsbewertungsverfahren, zur Einstufung unter Hochrisiko-KI-System und zur begleitenden Dokumentation unter EU-Konformitätserklärung.
Häufige Fragen
Muss ich als Unternehmen, das ein KI-Tool nur nutzt, selbst eine CE-Kennzeichnung anbringen?
Nein. Die Pflicht zur CE-Kennzeichnung trifft den Anbieter eines Hochrisiko-KI-Systems, also wer es entwickelt, unter eigenem Namen vermarktet oder wesentlich verändert. Wer ein fertiges System lediglich einsetzt, gilt in der Regel als Betreiber und muss keine eigene Kennzeichnung anbringen, sollte aber prüfen, ob das eingesetzte System die Kennzeichnung trägt.
Reicht eine digitale CE-Kennzeichnung bei einer Cloud-Software aus?
Ja, für digital bereitgestellte Hochrisiko-KI-Systeme ist eine digitale CE-Kennzeichnung vorgesehen, etwa über die Nutzeroberfläche oder einen maschinenlesbaren Code. Eine physische Kennzeichnung ist dann nicht zusätzlich nötig.
Trägt jedes KI-Tool, das mein Unternehmen einsetzt, eine CE-Kennzeichnung?
Nein. Die CE-Kennzeichnung nach EU AI Act ist nur für Hochrisiko-KI-Systeme vorgeschrieben. Die meisten im KMU-Alltag genutzten KI-Tools wie Chatbots oder Schreibassistenten fallen nicht in diese Kategorie und tragen entsprechend auch keine solche Kennzeichnung.
Was bedeutet eine Nummer neben dem CE-Zeichen?
Diese Nummer identifiziert die notifizierte Stelle, die an der Konformitätsbewertung beteiligt war. Sie taucht nur auf, wenn für das jeweilige System eine externe Prüfstelle vorgeschrieben war oder freiwillig eingebunden wurde, nicht bei jedem Hochrisiko-KI-System.